Hundebegegnungen an der Leine

Hundebegegnungen an der Leine gehören wohl zu den Themen, die Hundehalter am meisten beschäftigen. Lebt man auf dem Land, sind Anzahl und Frequenz der Hundebegegnungen meist überschaubar. In einer Großstadt hingegen trifft man nahezu an jeder Ecke auf ein neues Hund-Halter-Gespann, das man nie zuvor gesehen hat. Und das kann schnell zu einem Spießrutenlauf werden, wenn der eigene Hund sich nicht „gesellschaftskonform“ verhält und zu lautstarken Ausbrüchen an der Leine neigt. Der allseits bekannten Leinenaggression. 

In diesem Artikel möchte ich mich näher mit Hunden beschäftigen, die aus dem Ausland nach Deutschland gekommen sind und fortan in einer größeren Stadt leben. Und erläutern, warum es sinnvoll sein kann, gezielt Hundebegegnungen an der Leine zu üben – auch wenn der Hund noch gar kein Problem hat.

Leinenaggression

Gründe für eine Leinenaggression gibt es viele. So kann ein Hund eine Leinenaggression entwickeln, weil er als Junghund an der Leine zu jedem Artgenossen hindurfte. Nun soll er als erwachsener Hund gefälligst ruhig an selbigen vorbeigehen – da ist Frust vorprogrammiert. Frust, weil der Hund etwas nicht mehr darf, was früher geduldet wurde – „er war ja noch so klein“.

Bei Tierschutzhunden habe ich die Erfahrung gemacht, dass häufiger eine Ängstlichkeit oder Unsicherheit zu einer entstehenden Leinenaggression beiträgt. Oder aber, die Unterschreitung der eigenen Individualdistanz beim angeleinten aneinander Vorbeiführen führt dazu, dass der Hund sich den anderen Hund vom Hals halten möchte. Dies macht er dann z. B. durch Bellen und nach vorne springen deutlich. 

„Gut sozialisiert“ heißt nicht verträglich mit jedem Hund

Menschen, die einen Tierschutzhund aus dem Ausland zu sich holen führen oft den Grund an, dass diese Tiere ja besonders gut auf andere Hunde sozialisiert seien. Schließlich haben sie zusammen mit anderen Hunden auf der Straße gelebt oder sind in den ausländischen Tierheimen in großen Gruppen gehalten worden. Es ist richtig, ich habe sehr viele gut auf Hunde sozialisierte Hunde aus dem Tierschutz kennengelernt, aber das ist kein Muss. Ein Hund kann auch in einer großen Gruppe „überleben“, weil er dafür eine passende Strategie parat hatte. Vielleicht war er in der Hundegruppe unauffällig und hat sich so durchgeschlagen. Das muss nicht heißen, dass er dabei ein gutes Gefühl gehabt hat. Wenngleich ein Hund gut sozialisiert ist, die Hundesprache versteht und diese sprechen kann, kann man nicht im Umkehrschluss davon ausgehen, dass sich dieser Hund mit allen anderen Hunden versteht. Und das ist oft das große Missverständnis bei den Menschen.

Der höfliche Bogen

Hunde aus dem Ausland lernen andere Hunde oft als Konkurrenten um Futter und Fortpflanzung kennen. Während ein Hund, der wohl behütet in Deutschland aufwächst, andere Hunde zumeist als lustige Spielkameraden in der Welpengruppe kennenlernt. 

Auf der Straße würden sich die Hunde vermutlich aus dem Weg gehen oder zumindest einen höflichen Bogen um den anderen herum machen. Wohnt man in einer Großstadt wie Hamburg, ist ein schnurstracks aufeinander zulaufen manchmal unumgänglich. Und wenn der (Tierschutz-) Hund in seinem neuen Zuhause kein adäquates Verhalten vermittelt bekommt, wie man als Großstadthund solche Situationen meistert, kann sich schnell eine Leinenaggression manifestieren. Auch wenn sich Struppi zuvor noch so gut mit Artgenossen verstanden hat…

Begegnungen an der Leine üben 

Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass Hunde aus dem Auslandstierschutz womöglich ein ganz anderes Leben hatten. Einem angeleinten Hund auf dem Bürgersteig zu begegnen und dabei selbst an der Leine zu sein, kann also durchaus eine ganz neue Erfahrung und Herausforderung sein. Und es liegt an uns, ihnen dabei zu helfen, die Herausforderung zu meistern. Je mehr Sicherheit die Hunde in ihrem neuen Zuhause gewinnen, desto sicherer werden sie in ihren Handlungen. Das ist auch gut so und ein ganz normaler Prozess. Aber zuvor haben sie sich vielleicht bei Begegnungen an der Leine „zusammengerissen“ – der Mensch hat dies mitunter gar nicht mitbekommen – und irgendwann kommt es dann zum Ausbruch. Deshalb kann es sinnvoll sein, dosiert und gezielt Hundebegegnungen zu üben, so dass der Hund positive Erfahrungen machen kann, die ihm dabei helfen, ein cooler Stadthund zu werden. 

Die Gretchenfrage: Kontakt an der Leine – ja oder nein? 

Eigentlich muss das jeder für sich bzw. für seinen Hund entscheiden. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Auch wenn man für sich „keinen Kontakt an der Leine“ entschieden hat, kann dies anderen Menschen unter Umständen piepegal sein. 😉 Deren Hund will nämlich nur „kurz Hallo sagen“. Es kann also durchaus sinnvoll sein, mit dem eigenen Hund Kontakte an der Leine zuzulassen. Oder zumindest ein Signal einzuführen, das dem Hund verständlich macht, ob man ebenfalls „kurz Hallo“ sagt oder zusammen weitergeht.

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